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Judy Collins

Entertainment

Ein Abend mit Judy Collins

Judy Collins (Gitarre und Piano) und Russell Walden (Piano)

Judy Collins inspirierte und inspiriert ihr Publikum mit ihrer außergewöhnlichen Stimme, mit mutigen und gleichzeitig zarten Liedern und ihrem vom Herzen kommenden sozialen Engagement.

Schon in den 1960er Jahren appellierte sie an das Gewissen ihrer Generation gegen soziale und ökologische Ungerechtigkeiten. Fünf Jahrzehnte später inspiriert Judy neue Generationen mit ihrem künstlerisches Werk – auf  50 Alben verewigtund mit ihrer Disziplin, mit der sie es schaffte, ein halbes Jahrhundert in der Musikindustrie zu glänzen. 

Die preisgekrönte Liedermacherin ist bekannt für ihre fantasievollen Interpretationen von traditionellen und zeitgenössischen Folk-Standards und wird geschätzt für ihre eigenen, poetisch ergreifenden Kompositionen.

Ihre atemberaubende Interpretation des Joni-Mitchell-TitelBoth Sides Now, von ihrem 1967er Album „Wildflowers“, brachte ihr den Eintrag in die Grammy Hall of Fame. Judys verträumte, sanfte und intime Version von Send in the Clowns, eine Ballade von Stephen Sondheim für das Broadway-Musical „ A Little Night Music“,  wurde zum „Song of the year“ beim Grammy Award 1975 gewählt. Sie erklomm mehrerer Male die Top-ten und erhielt dafür Gold- und Platinablen. Kürzlich ehrten zeitgenössischen und klassische Künstlerinnen und Künstler wie Rufus Wainwright, Shawn Colvin, Arlo Gutherie, Joan Baez und Leonard Cohen ihr Lebenswerk mit dem Album „Born tot he Breed – A Tribute to Judy Collins“.

 

Hier ein Link zu liebevoll gestalteten Informationsseiten über Judy Collins:

Informationen über Judy Collins

Hier hören Sie den Deutschlandradio Kultur - Beitrag vom 5. Nov 2015:

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Biografie

Porträt

Judy Collins 

 

Biographisches:

Als Judy Collins im Jahr 1961 ihr Debütalbum aufnahm, konnte sie bereits auf eine beachtliche musikalische Laufbahn zurückblicken. Sie hatte zuvor schon beim bedeutenden Newport Folk Festival für Aufsehen gesorgt, wo sie 1959 zum ersten Mal vor einem größeren Publikum auftrat, nachdem sie einige Jahre eher in kleinen Clubs an ihrem eigenen Ausdruck feilte. Den Karriereweg in einem anderen musikalischen Genre hatte sie zugunsten der Folkmusik längst aufgegeben.

Judy Collins trat schon in ihren frühen Teenagerjahren als klassische Konzertpianistin auf; ihre Zukunft in diesem Bereich schien vielversprechend. Dass diese enorme Leistung nicht unbedingt nur von eigenem Willen getrieben war, das konnte man aus späteren Andeutungen erahnen. Dahinter stand auch ein gewisser Erwartungsdruck von familiärer Seite, in diesem Fall besonders von Seiten des Vaters, der selbst ein begabter Musiker und Hörfunkmoderator war. Das Vorbild des Vaters, der trotz der Einschränkungen aufgrund seiner Blindheit etwas aus seinen Talenten zu machen verstand, es zu bescheidenem Wohlstand und Ansehen brachte, mag für das begabte und dennoch verletzliche Kind manchmal eher ein bedrohlicher Schatten gewesen sein, worauf nicht zuletzt ein früher Suizidversuch hindeutet.

Ihre Rettung kam, als sie die Folkmusik für sich entdeckte. In der akustischen Gitarre fand sie ein Instrument, das sie aus eigenem Enthusiasmus heraus spielerisch erlernen und mit dem sie experimentieren konnte, ohne dass irgendjemand anderes große Erwartungen daran geknüpft hätte.
Natürlich hatte die klassische Ausbildung ihre Spuren hinterlassen, was sich zunächst in Judys Vorliebe für elegische Melodien zeigte.

Die Anfänge

Auf ihren ersten beiden Alben fanden sich unter anderem Stücke polnischen und irischen Ursprungs; allen gemein war eine Eleganz und Zartheit, die in der damaligen Folkszene nicht unbedingt üblich war. Im eher rauen und spröden Ausdruck der neuen Folkmusik , die in den frühen 60er Jahren einer Protestbewegung Kraft verlieh und in erster Linie der politischen Meinungsbildung verschrieben war, war Judy Collins eine Ausnahmeerscheinung - ein Status, der ihr noch heute gebührt.
Dabei war Judy keineswegs eine unpolitische Künstlerin. Nicht zuletzt ihr Engagement in der Bürgerrechtsbewegung führte sie überhaupt erst an diese Art von Musik heran.
Doch im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen, deren Lieder wie gesungene Pamphlete daherkamen, verstand Judy es bereits in jungen Jahren, in ihrer Kunst mit Emotionen zu arbeiten und dadurch oft größeren Eindruck zu hinterlassen als so manch rechtschaffene Rezitation der gängigen Protestsongs.

Selbst wenn sie ein so universell eingesetztes und auf keinem Zusammentreffen von Barden und Liedermachern fehlendes Stück wie „Blowin' in the Wind“ sang, so wurde durch die Art ihres Vortrags eine Art apokalyptisches Wiegenlied daraus - zart, versponnen und dabei ein
lebendiges Gefühl der Bedrohung hinterlassend. (Von „Blowin' in the Wind“ hat sie übrigens nie eine Studioaufnahme gemacht. Erst 1994 erschien eine alte Liveaufnahme des Songs auf dem Album „Live at Newport 1959-1966“. )

Wenn der Musikerin Judy Collins von Anbeginn etwas fremd war, dann war es Pathos. Die alten Lieder, die sie sang, befassten sich mit Themen wie der Todesstrafe, der endlosen Schufterei, der Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen, aber die in den Texten mitschwingende Anklage wurde dabei nicht noch einmal in besonderem Maße unterstrichen. Judy war als Interpretin stets klug genug zu wissen, dass man auf manche Missstände nicht erst hinweisen muss und dass empörtes Gebaren des Sängers meist eher theatralisch als notwendig und angemessen ist.
So konnte sie in lässiger Beschwingtheit eine sarkastische Ode an die Selbstentleibung singen und hatte ihre Freude an den zustimmend amüsierten Reaktionen ihres Publikums („Silver Dagger“ auf Live In Newport).

Judy Collins war stets eine politische Künstlerin, doch darüber hinaus boten ihre dunklen Lieder ihren Hörern auch einen Zufluchtsort voller Poesie und Schönheit, was nicht zuletzt auf ihren ganz eigenen Interpretationsstil zurückzuführen ist. Sie war nie eine Sängerin, die den dramatischen Ausdruck und die großen Gesten zu ihrer Domäne erklärt hätte. Ihr Gesang ist seit jeher unaufgeregt und natürlich und dabei vermag sie es, mit ihrer Stimme Trost und Geborgenheit zu vermitteln wie keine andere Sängerin.
Sie wurde von Kritikern und Kollegen häufig als „the singer's singer“ gepriesen. Leonard Cohen schrieb einmal, sie lasse die Lieder durch die Schönheit ihrer Stimme und den Mut ihrer Lebenserfahrung lebendig werden.


Die Folkmusik war selbst auf dem Höhepunkt der Bewegung keine kommerzielle Kunst. Die großen Plattenfirmen waren an dieser Art von Musik nicht interessiert, was dazu führte, dass es bereits in den 40er und 50er Jahren eine erste lebendige Independent-Szene jenseits des
Mainstreams gab. Künstler, sofern sie neben der eigentlichen Domäne der Folksänger, ihre Musik live zu spielen, überhaupt die Möglichkeit zu Studioaufnahmen bekamen, veröffentlichten ihre Platten bei unabhängigen Kleinstverlagen.

Aus dieser Szene entstand auch das Elektra-Label, bei dem Judy Collins ihre Karriere begann. Ihre ersten Alben kamen nicht einmal in die Nähe der Charts; dennoch wurde ihr die Möglichkeit geboten, beharrlich an ihrer Kunst weiterzuarbeiten. Das Folkpublikum abseits der Popcharts zeigte sich von Anfang an begeistert und auch die Kritiker entdeckten recht früh das außergewöhnliche Talent der Künstlerin. So konnte Judy Collins bereits mehrfach in der Carnegie Hall auftreten, bevor sie im herkömmlichen Sinne eine erfolgreiche Künstlerin wurde. Mitte der Sechziger sollte sich das Blatt dann auch in kommerzieller Hinsicht wenden.

Die großen Erfolge


Hatte ihre Musik zu Beginn ihrer Karriere durchaus eine rohe Kraft - nicht zuletzt aufgrund ihres zunächst noch etwas tieferen, resoluten Gesangs - so kehrte mit den Jahren immer mehr die klassische Musik in ihren melodischen Kosmos zurück.
So gilt Judy Collins als Initiatorin des Genres, welches gern als Kammerpop bezeichnet wird, womit die klassisch geprägte Instrumentierung und Arrangements bezeichnet werden, die sowohl orchestral, zugleich jedoch auch intim und sparsam angelegt sind. Als Paradebeispiel dieses Genres gilt ihr Album „Wildflowers“, auf dem neben ihren ersten eigenen Kompositionen, die der Klassik deutlich näher sind als dem traditionellen Folk, auch Stücke von Joni Mitchell und weitere Lieder Leonard Cohens vertreten sind, dessen Arbeit durch Judys Interpretationen auf ihrem Album „In My Life“ ein Jahr zuvor erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Judys eigene Kompositionen bestachen neben ihrer musikalischen Virtuosität auch insbesondere durch ihre bilderreichen, poetischen Texte. Ihre eigene Musik stand für eine geheimnisvolle Romantik, wofür beispielsweise ihr Song „Albatross“ ein besonders prägnantes Beispiel ist. Bereits die ersten Zeilen des Liedes rufen Bilder voller Schönheit, jedoch auch von gewisser Schwermut hervor: „The lady comes to the gate, dressed in lavender and leather/ Looking north to the sea, she finds the weather fine...“.
Das Lied handelt von einer Frau, die in ihrer Einsamkeit und Entfremdung völlig isoliert von der Welt der Menschen um sie herum ist - die sich fragt, ob jemals der sagenumwobene Prinz kommen wird, der mit ihr davon reiten wird. Dabei bleibt aber offen, ob es nicht viel eher der Tod ist, der ihr in verwunschenen Nächten zuruft, sie möge mit ihm gehen.
Eine besondere Würdigung ihrer Begabung als Komponistin und Texterin erfuhr Judy Collins durch Nina Simones kongeniale Interpretation ihres Songs „My Father“.

Trotz ihrer eigenen Begabung als Songwriterin blieb sie eine Förderin junger Talente. Während in den ersten Jahren ihr Repertoire hauptsächlich aus traditionellen Folksongs und aktuelleren Stücken des bereits etablierten Pete Seeger, aber auch schon des gerade zu Ruhm gelangenden Bob Dylan bestand, wandte sie sich Mitte der sechziger Jahre auch einigen noch weitgehend unbekannten Songwritern zu. Das wunderbare „Who Knows Where The Time Goes“ von Sandy Denny oder auch Randy Newmans „I Think It's Going To Rain Today“ wurden nicht zuletzt dank Judys Interpretationen zu populären Klassikern. Sie feierte mit Mitchells „Both Sides Now“ in einer überraschend poppigen
Uptempo-Version und mit Cohens „Suzanne“ große Erfolge.

Ihr größter Hit ist jedoch wohl ihre Interpretation von „Amazing Grace“.
Das alte Traditional erlangte durch Judys Aufnahme neue weltweite Popularität, bescherte ihr einen Nummer 1-Hit und machte die Interpretin auch erstmals über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus bekannt; eine Popularität, die allerdings nicht lange währen sollte, weil Judy Collins keine ausgedehnteren internationalen Tourneen absolvierte, was damals für internationalen Ruhm unerlässlich war.
In Deutschland trat sie nur ein einziges Mal auf - vor begeistertem Publikum, aber einen
ähnlichen Status wie ihre hierzulande bekanntere Kollegin Joan Baez, die über Jahrzehnte hinweg regelmäßige Gastspiele absolvierte, konnte sie nicht erreichen.

1970 indes, dem Jahr von „Amazing Grace“ und des wunderbaren Albums „Whales and Nightingales“, war Judy Collins nicht nur auf der Höhe ihrer Popularität, auch künstlerisch stellten die Aufnahmen jener Zeit in gewissem Masse eine Vollendung der bisherigen Entwicklung dar.

In den folgenden Jahren schlug die gefeierte Folkmusikerin jedoch zunehmend neue, ungewohnte Töne an. Bereits auf „True Stories and Other Dreams“ (1973), welches die Abkehr vom Folkrock einleitete, unternahm Judy mit einer musicalartigen Ode an Che Guevara eine erste Exkursion in die abenteuerlichen Gefilde, die sie mit ihren folgenden Alben weiter ausloten sollte.

Das Album „Judith“ von 1975 hatte mit ihrer Interpretation von „City of New Orleans“ zwar noch einen Song in der Tradition ihrer früheren Erfolgsstücke zu bieten, das übrige Material signalisierte jedoch schon eine Hinwendung zum Broadway und zur leichten Popmusik der Gattung des sogenannten „Adult Contemporary“.
Die Aufnahme von „Send in the Clowns“, einem Stück aus einem Stephen Sondheim-Musical, war in Amerika ein großer kommerzieller Erfolg, was Judy Collins in ihrer Ansicht bestärkt haben dürfte, die leichte Unterhaltungsmusik sei ein Bereich, in dem sie erfolgreich weiterarbeiten könne. Allerdings hatte diese Musik nichts mehr mit dem zu tun, womit Judy Collins zu einer Ikone der Folkszene wurde.

Auf der Suche


Mitte der 70er Jahre war die amerikanische Musikindustrie in einer gewaltigen Umbruchphase. Die Zeiten, in denen Plattenlabels von enthusiastischen Musikliebhabern gegründet und gepflegt wurden, gehörten allmählich der Vergangenheit an. Es war die Zeit der beginnenden Dominanz der Großkonzerne innerhalb der Musikbranche und nicht selten waren es die etablierten Künstler aus idealistischeren Tagen, die in diesen neuen Produktionsverhältnissen nicht mehr so recht ihre Stellung behaupten konnten, wofür die Karriere der Judy Collins neben vielen anderen ein anschauliches Beispiel ist.

Jac Holzman verließ zu dieser Zeit das von ihm gegründete Elektra-Label, was einen entscheidenden Wendepunkt in den Karrieren zahlreicher Musiker bedeutete und im Fall von Judy Collins besondere Relevanz hatte.
Das ursprüngliche Elektra-Label, in den frühern 50er Jahren von Holzman gegründet, machte sich schnell einen hoch geschätzten Namen als die Plattenfirma für neue Folkmusik.
In den frühen Tagen entsprach die Produktion der Alben dem Geist des musikalischen Genres; so wurde etwa Judys Debüt innerhalb von nur fünf Stunden aufgenommen. Man verzichtete auf eine besonders kostspielige Ausstattung und schuf somit Werke von hoher
Authentizität und Unmittelbarkeit.
Neben den Folkmusikern und Singer-Songwritern der frühen Tage, die ihre Platten meist auf diese unkomplizierte Weise aufnahmen, gönnte sich Elektra auch schon bald einige besonders ausgefallene Musikproduktionen, was das Ansehen der Firma noch steigerte. So gesellten sich
mit der allmählichen Erweiterung des musikalischen Spektrums Ausnahmekünstler wie die Incredible String Band, The Doors, MC5 und auch Nico zumindest zeitweise zur Elektra-Familie. Judy Collins blieb jedoch trotz aller Veränderungen bezüglich der musikalischen Ausrichtung des Labels stets im Zentrum des Geschehens.

Jac Holzman war es, der sie zur Produktion ihres ersten Albums überredete, obwohl sie damals selbst der Meinung war, noch nicht die nötige künstlerische Reife dafür erreicht zu haben. Holzman war sowohl Bewunderer als auch Förderer. Er unterstützte sie bei der Suche
nach jungen, unbekannten Songwritern und brachte sie mit Produzenten zusammen, deren musikalisches Empfinden mit Judys Begabungen hervorragend harmonierte - und er wusste, dass sein kleines Label vermutlich keine so beeindruckende Erfolgsgeschichte hätte werden können, wenn Judy Collins nicht durch ihre Popularität und ihr hohes Ansehen bei Publikum und Kritik zu diesem Erfolg beigetragen hätte.

Als dann Mitte der 70er allerdings David Geffen - eher ein Unternehmer als ein Musikliebhaber, der nicht für eine besondere Nähe zur Folkszene bekannt war - das Zepter bei Elektra übernahm, war Judy Collins mit einer völlig veränderten Ausgangslage für ihr weiteres Schaffen konfrontiert.
Auf ihre Frage, was sie denn als nächstes in Angriff nehmen solle, riet ihr Geffen schlicht, sie solle einfach das tun, was sie will.
Statt mit einem Mentor wie Holzman es war, hatte sie es nun mit jemandem zu tun, der sich offenbar weniger für ihre künstlerische Entwicklung interessierte.
Erschwerend kam der radikale Umschwung der musikalischen Moden in jenen Tagen hinzu. Peter, Paul & Mary etwa waren längst im Vorruhestand; Woodstock-Ikonen wie Richie Havens und Melanie landeten recht schnell bei Kleinstlabels und Folk galt im Allgemeinen als passé.


Plattenfirmen buchten für ihrer etablierten Stars die teuersten Produzenten und die größtmögliche Anzahl angesagter Session-Musiker. Alben wurden mit kompletten Sinfonieorchestern in astronomisch teuren Studios in Los Angeles produziert.
Als Messlatte in puncto prestigeträchtiger Studioproduktion galten Alben von Paul Simon, James Taylor, Linda Ronstadt und Carly Simon.
Als etablierter Künstlerin stand auch Judy Collins diese Produktionsweise zur Verfügung und so entsprachen ihre Alben jener Jahre auch dem typischen Sound der Zeit.

Ihr Repertoire entfernte sich immer weiter von den Singer-Songwritern und Traditionals, die die Alben der ersten zehn Jahre dominierten. In den frühen 80er Jahren bestanden ihre Alben dann zu großen Teilen aus Stücken von Stephen Sondheim und anderen Broadway-Komponisten.

Interessanterweise begann Judys Hinwendung zum „Great American Songbook“ nach dem Tod ihres Vaters, der selbst ein glühender Verehrer des Broadways und seiner Klassiker war. In Judys Kindheit sang ihr Vater immer die alten Gershwin-Songs, nun sang Judy sie immer öfter auch auf ihren eigenen Alben.

Neubeginn und Rückbesinnung


In den späteren 80er Jahren wandte sich Judy dann allmählich wieder ihren Wurzeln in der Folkmusik zu. Nachdem ihr Vertrag mit Elektra Records 1984 auslief nahm sie noch einige Alben für diverse kleine Plattenfirmen auf, die zumeist aus neuen Versionen ihrer alten Hits und
Traditionals bestanden.
1990 konnte sie dann ein Comeback bei einer großen Plattenfirma (Columbia) mit dem weitgehend hervorragenden Album „Fires of Eden“ feiern.

In den folgenden Jahren blieb Judys Schaffen vielseitig wie eh und je. Zwischen Weihnachtsalben und Sammlungen von Neuaufnahmen ihrer alten Hits reihte sich ab und an ein beachtliches Werk wie „Just like a Woman“ ein, ihre 1993 erschienene Hommage an Bob Dylan.
Dieses Album zeigte Judy Collins in Höchstform, so nah am kraftvollen Folkrock ihrer großen Alben wie seit Jahrzehnten nicht mehr, mit einer Stimme, die all ihre Facetten zu nutzen verstand.

Daneben glänzte Judy in den 90ern vor allem als Gastmusikerin: Ihre Beiträge zu Alben von Künstlern wie Peter, Paul & Mary oder auch Carly Simon strahlen weit über das übliche Maß derartiger Kollaborationen hinaus. Insbesondere ihr Beitrag zu Carly Simons „Fisherman Song“ (1990, vom Album „Have You Seen Me Lately?“) gehört zu den bewegenden Momenten ihrer Laufbahn, denn dort erlebt die Folksängerin, die sich all die Jahre hinter leichter Unterhaltungsmusik verborgen hielt, eine unerwartete und lang ersehnte Wiederauferstehung.

1997 erschien die Retrospektive „Forever – an Anthology“, die auf gelungene Weise das gesamte Spektrum des musikalischen Schaffens von Judy Collins in einen harmonischen Kontext stellte und auch einige vielversprechende neue Kompositionen der Künstlerin präsentierte.

Besondere Erwähnung verdient auch das 2004 erschienene Album „Democracy“, das zum Großteil eine Zusammenstellung all ihrer Originalaufnahmen der zahlreichen Leonard Cohen-Songs bietet, die Judy im Laufe ihrer Karriere gesungen hat, das aber auch drei hervorragende neue Aufnahmen enthält. Neben dem schwungvollen, epischen Titelstück sind es vor allem das sinnliche, dunkle „A Thousand Kisses Deep“ und das elegische „Night Comes On“, die an die besten Darbietungen der großen Jahre anknüpfen. Insbesondere letzteres kann mit einiger Sicherheit zu den herausragenden Aufnahmen ihrer Karriere gezählt werden.

„Portrait Of An American Girl“ (2005), ihr erstes Studioalbum auf ihrem eigenen Label Wildflower Records, markierte einen Wendepunkt - zugleich Neubeginn und Rückbesinnung.
Die stärkste Wirkung entfalten die von Collins' perlendem Pianospiel begleiteten Eigenkompositionen und die Folkrock-Songs, deren Darbietung an die musikalische Sprache ihrer großen Alben wie „Whales and Nightingales“ und „Who Knows Where The Time Goes“
angelehnt ist.
Es fügten sich endlich die vielen verschiedenen Facetten ihrer künstlerischen Bandbreite zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

In den folgenden Jahren veröffentlichte Judy Collins noch eine Sammlung neuer Aufnahmen der Stücke von Lennon und McCartney, zwei Livealben mit hochkarätigen Gästen wie Ani Difranco, Shawn Colvin, Jimmy Webb und Mary Black und bisher auch zwei weitere Studioalben, auf denen sich eigene Kompositionen mit Stücken anderer Singer-Songwriter abwechselten.

Auf „Paradise“ sang sie im Duett mit Joan Baez deren „Diamonds And Rust“ und mit Stephen Stills noch einmal „The Last Thing On My Mind“. Auf „Bohemian“ präsentierte sie im Duett mit Shawn Colvin das alte Joni Mitchell-Stück „Cactus Tree“ neben Woody Guthries „Pastures Of Plenty, Jacques Brels „The Desperate Ones“ und eigenen hervorragenden Songs wie „Morocco“ und „Wings Of Angels“, das ihrem verstorbenen Sohn Clark gewidmet ist.

Strangers Again


Mit dem im Oktober 2015 erschienenen Album „Strangers Again“ geht Judy Collins nun noch einmal neue Wege. Ausgangspunkt für das Projekt war die Zusammenarbeit mit dem Liedermacher Ari Hest, der seit einigen Jahren häufiger mit ihr auftritt und dessen Song „The Fire Plays“ Judy Collins bereits auf „Live In Ireland“ mit ihm im Duett gesungen hat.
Beim Stöbern in Ari Hests Diskografie war Judy besonders von dem Song „Strangers Again“ fasziniert und wollte diesen in einem besonderen Rahmen präsentieren statt einfach nur eine Single in digitaler Form davon zu veröffentlichen.
Also kontaktierte sie alte Freunde und Weggefährten und auch einige jüngere, vielversprechende Talente um mit ihnen ein Album mit Duetten aufzunehmen.

Dieses Album ist sehr facettenreich geworden. Alle Songs sind sorgfältig und einfallsreich arrangiert und fügen sich trotz unterschiedlicher Genres gut in den Gesamtkontext ein.
Als Sängerin wirkt Judy Collins heute entspannter und doch auch vielschichtiger als auf manch früheren Alben. Selbst nach all den Jahren der Erfahrung probiert sie sich und ihre Stimme immer noch aus, erkundet neue Herangehensweisen. Sie spielt hier mit den unterschiedlichen Stimmlagen, was ihrer Gesangsdarbietung einen abwechslungsreichen und natürlichen Charakter verleiht.

"When I Go" im Duett mit Willie Nelson ist ein eindrucksvoller Song, der sich dem Thema Tod widmet. Collins und Nelson sind ungefähr im gleichen Alter und ihre Stimmen harmonieren wunderbar miteinander. Dieser Song und auch die Neuaufnahme von „Send In The Clowns“ im Duett mit Don McLean verwandeln ein vermeintliche Schwäche in einen Trumpf. Beide Aufnahmen ziehen ihre Magie aus dem Erfahrungsreichtum der Interpreten. Man spürt, dass die Lebensgeschichten dieser Veteranen sich in den Texten der Lieder widerspiegeln.

"From Grace", von und mit Thomas Dybdahl, hat eine schillernde rhythmische Textur und der Song verleiht dem Album dadurch einen ganz besonderen Akzent. "Races", von und mit Glen Hansard, ist ein sehr passender Song um ein Album abzuschließen und Judy Collins trifft die Emotionen des Texts sehr gut, der Bescheidenheit und Besinnung auf die wesentlichen Dinge des Lebens feiern will.

Judys Interpretation von Cohens "Hallelujah" ist natürlich besonders zu erwähnen. Schließlich ist ihre eigene Karriere in besonderem Maße mit der von Leonard Cohen verwoben; die beiden verbindet eine lange gemeinsame Geschichte.
Judy Collins orientiert sich hier mehr an Cohens eigener Version als an den prägenden populären Coverversionen von John Cale und Jeff Buckley. Während Bhi Bhiman bei diesem Duett einen intensiven, feurigen Gegenpol darstellt, singt Judy das Hallelujah mit einer angenehmen Abgeklärtheit - im Wissen um die göttliche Komödie, ohne jedoch in Zynismus abzugleiten. Am Ende strahlt das Hallelujah klar und aufrichtig.

Auf diesem neuen Album erleben wir eine vitale, emotional offene Künstlerin und eine Stimme, die stets warm und zugänglich ist.

Man darf auf das weitere Schaffen dieser immer noch neugierigen Künstlerin, die stets ihrer eigenen Muse folgte - die Kritiker als „Matriarchin des Folk“ oder auch „Mother of song“ bezeichneten - in jedem Fall gespannt sein.

André Seifert, 2015 (www.andreseifert.com)

 

 

Termine

 

Datum

Stadt

Theater 

2016

   

 19. Mai

Worpswede

Music Hall

 20. Mai

Bonn

Pantheon

 21. Mai

Stuttgart

Theaterhaus

 24. Mai

Berlin

Wintergarten (Tribute to Bob Dylan)

 

 

Rezensionen

 

General-Anzeiger Bonn
von Dietmar Kanthak
21.05.2016

Pantheon in Bonn

Judy Collins begeistert das Publikum

Sie ist mit Bob Dylan und Leonard Cohen per du: Judy Collins im Pantheon.

23.05.2016 BONN. Ein intimes, intensives Gesprächskonzert: Judy Collins begeistert das Publikum im Pantheon.

Morgen wird sie im Berliner Wintergarten Bob Dylan singend zum 75. Geburtstag gratulieren, zusammen mit Kollegen wie Peter Maffay, Helen Schneider und Manfred Maurenbrecher. Judy Collins, 77 Jahre jung, ist – respektive war – mit Bob Dylan per du, mit Leonard Cohen, Willie Nelson und den schon verstorbenen Woodie und Arlo Guthrie. Das Publikum darf den Pantheon-Machern ewig dankbar sein, dass sie die amerikanische Sängerin und Songschreiberin für einen Konzertabend in Bonn gewinnen konnten. Genauer gesagt: ein intimes, intensives Gesprächskonzert.

Es lebte von Songs wie John Denvers „Leaving On A Jet Plane“, Leonard Cohens „Suzanne“ und Stephen Sondheims „Send In The Clowns“, von autobiografischen Skizzen und elegant eingeflochtenen Ausflügen in die Folk- und Popmusikgeschichte. Sie hat diese Geschichte maßgeblich mitgeschrieben.

Judy Collins, begleitet von Russell Walden am Flügel, präsentierte sich so geistreich und pointensicher wie die Autorin Dorothy Parker, die sie einmal zitierte, und musikalisch so stark wie eh und je. Ihre kristallklare Stimme scheute keine Höhen und verzauberte das Publikum schon mit dem ersten Song des Abends, John Denvers „Leaving On A Jet Plane“.

Die Zuhörer übernahmen nach Absprache mit der Gitarre spielenden Sängerin den Refrain: „So kiss me and smile for me / Tell me that you'll wait for me / Hold me like you'll never let me go / Cause I'm leavin' on a jet plane / Don't know when I'll be back again / Oh babe, I hate to go.“ Das sei die Geschichte ihres Lebens, erklärte Collins.

Die Pantheoniken hatten Collins eine edle Konzertbühne gestaltet – mit einem großen Bund roter Rosen. Die Sängerin erzählte viel von sich, von den Anfängen, den Stücken bedeutender Kollegen, die sie auf unvergessliche Weise interpretiert hat – und von eigenen Erfolgen als Komponistin. Bob Dylan würdigte sie mit „Mr. Tambourine Man“, von Leonard Cohen trug sie „Suzanne“ vor. Es war ein magischer Moment, in dem die Poesie und Sinnlichkeit des Songs förmlich glühten.

Den Kollegen begegnete Judy Collins, die im zweiten Teil des Abends eine Weile den Klavierpart übernahm, mit eigenen Songs auf gleicher Augenhöhe. „My Father“, „New Moon Over The Hudson“ und „Blizzard“ gehörten zu den Höhepunkten des Abends. Natürlich schenkte sie dem Publikum auch ihre Version von Joni Mitchells „Both Sides Now“.

Seelenvoller geht es nicht: „I've looked at clouds / from both sides now / From up and down, and still somehow / It's cloud illusions I recall / I really don't

know clouds at all.“ Wieder ein magischer Augenblick, wieder jubelnde Zuhörer. Zum Abschied hörten wir „Who Knows Where The Time Goes“. Dann war Schluss, die Zeit mit der großen Judy Collins war um.

Das Konzert wurde vom WDR aufgezeichnet. Sendetermin: 3. Oktober, 20.05 Uhr, auf WDR 5.

 

 

 

 

Berliner Morgenpost
von Peter Müller
26.05.2016

Huldigung eines Idols

Bob Dylan wird in der Musikszene verehrt und bewundert – wie auch die Geburtstagsfeier im Wintergarten zeigt

….Und nach der Pause kommt Maffay. Selbst wer mit dem mitunter etwas knödelig klingenen Sänger nicht viel anfangen kann, ist geläutert nach seinem so schlichten wie bewegenden Auftritt. Der letztlich einstimmt auf die amerikanische Grand-Dame des Folksongs: Judy Collins. Sie war dabei, als in den 60er-Jahren der Folkboom losbrach. Sie hat als erste Leonard Cohens Song "Suzanne" aufgenommen, stand mit Dylan auf der Bühne, landete Hits mit Klassikern wie "Amazing Grace". Sie wurde 1969 mit einem Grammy für die "Beste Ethnofolk oder traditionelle Folk-Aufnahme" gekürt. Sie war auch dabei, so erzählt die so elegante wie eloquente Lady, als Dylan in seinem Haus in Woodstock "Mr Tambourine Man" geschrieben hat. Natürlich singt sie das Stück auch zur 12-saitigen Gitarre, begleitet von Russell Walden am Flügel, neben eigenen älteren und neuen Songs.

Judy Collins erzählt gern. Sie tut das mit lebensgereift rauchzarter Stimme. Sie habe damals ja kaum Drogen genommen, sagt sie einmal, weil sie dachte, dass sich das nicht mit ihrem Alkoholkonsum vertragen würde. Doch wenn sie singt, ist da dieser glockenhelle Sopran, der die Seele wärmt und klingt, als wären die mehr als 50 Jahre ihrer Karriere spurlos an ihr vorübergegangen. Und der dankbare Applaus gilt längst nicht mehr dem Geburtstagskind im fernen Kalifornien, sondern einer Zeitzeugin, die die frühen Aufbruchsjahre im New Yorker Greenwich Village hautnah miterlebt und mitgeprägt hat.

 

  

 

 

THE NEW YORK TIMES
von Stephen Holden
11. November 2016

Review: Judy Collins’s Clear, Pure Brook of Song

It’s almost unheard-of for a pop soprano in her 70s to surpass her younger self in stamina, precision of intonation and vocal command. But that was what Judy Collins, 77, did at Thursday’s opening-night show of her latest engagement at Café Carlyle. The evening was particularly intense because of the death of her friend Leonard Cohen, which she only acknowledged after a performance that culminated with a somber rendition of his love song “Suzanne.” Her 1966 recording put him on the songwriting map.

With her lunar sliver of a voice, there is little room for slippage because Ms. Collins has so few overtones to cushion and absorb tonal deviations. If the singing isn’t consistently on the note, her angelic perfection is compromised. The enjoyment of watching her is tinged with the same anxiety you feel while watching an Olympic gymnast execute a challenging routine that could be ruined by a less-than-perfect landing. On Tuesday there wasn’t a single misstep.

 The show follows the release of “Silver Skies Blue,” an album of duets with Ari Hest, a 37-year-old folk-pop singer whose strong, rounded baritone is a comfortable match for Ms. Collins’s ethereality. Their two-part harmonies on several songs were impeccable. Their strongest collaborations included “Strangers Again” and “I Choose Love,” contemplations of long-term relationships, the first nostalgic, the second practical. “I Choose Love” acknowledges the work it takes to maintain a bond that has developed the usual potholes once the initial thrill of discovery has worn off.

Ms. Collins is a wonderful storyteller who always finds new ways to describe her early days as a New York folk singer. She is the first to admit that she didn’t think much of the very early Bob Dylan, although her skepticism quickly evaporated. She recalled listening outside a door in the home of his manager Albert Grossman as Mr. Dylan composed “Mr. Tambourine Man.” And her rendition of “Masters of War” had a subtle biting edge.

Popular music critics, especially men, have always been suspicious of unalloyed musical beauty, and Ms. Collins has endured considerable hostility for taking the high road in a rough-and-tumble musical culture where aggression is seen as proof of authenticity. But her kind of traditional beauty always has a place. And as Ms. Collins sang her 1962 hit “Golden Apples of the Sun,” it was a healing beam of light at an anxious historical moment; it was beautiful.

 

 

 

PR Material

Pressefotos zum Herunterladen

Fotonachweis: Brad Trent

Fotonachweis für Judy Collins mit Gitarre: Shervin Lainez

  • Die US-amerikanische Folk-Sngerin Judy Collins bei einem Konzert in New York 2011. imagoUPI Photo
  • J. Collins - Fotonachweis Brad Trent - hoch aufgelst
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Veranstaltungsplakat

Ein Abend mit Judy Collins - Plakat A3