Information

Ellen Mäder-Gutz

Bildende Kunst

Mäder-Gutz studierte von 1975 bis 1982 an der Kunsthochschule Weißensee Grafik und Bildhauerei. Spätestens mit ihrem Weg in den Westen, der sie 1987 nach West-Berlin führte, erarbeitet Mäder-Gutz einen individuellen Formenkanon. Das traditionelle Menschenbild hinter sich lassend, beginnt sie eine tief greifende Auseinandersetzung mit der Natur. Tief ins Innere des Sichtbaren dringend, inszeniert die Künstlerin organische Formen, die der Natur nachempfunden, jedoch kein Abbild dieser sind. In Steinskulpturen, Keramikobjekten, Zeichnungen oder Grafiken finden sich florale Motive, die eine fast beiläufige Erotik ausstrahlen.
Ellen Mäder-Gutz lebt seit 2004 in Vechta und arbeitet als wissenschaftlich-künstlerische Mitarbeiterin an der dortigen Universität. Weitere Informationen über die Künstlerin sowie Eindrücke von ihrer künstlerischen Tätigkeit finden Sie hier:

www.ellen-maeder-gutz.de
www.uni-vechta.de
www.wikipedia.org

 

Biografie

Biografie

seit 2002
wissenschaftl.-künstlerische Mitarbeiterin an der Universität Vechta
Lehrtätigkeit an der Wirtschafts- und Sozialakademie in Bremerhaven

2002
Lehrauftrag an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

2001
Lehrauftrag für Mediendesign an der Hochschule Bremerhaven

2000
Ausbildung zur Multi-Mediadesignerin bei der Arge-Multimedia in Bremen

1977-82
Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee

1973-75
Lehre als Schmuckgürtlerin in Jüterbog

1954
in Bergfelde geboren

 

Ausstellungen

2011
"das eine und das andere",  Kunstverein Kaponier e.V. Vechta

2010
“bella donna”, Pavillon des Gerhard Marcks Hauses, Bremen

2009
“flores”, Galerie Borchert & Schelenz, Berlin
“wie eine rose”, Galerie Weidenstieg, Cuxhaven
“vor ort”, Kunstverein Kaponier, Vechta
“Accrocache 3”, Galerie 149, Bremerhaven

2007
“Tulpan & Pernilla”, Kunsthalle Bremerhaven

“Vertraute Fremde”, Paul-Ernst Wilke Haus, Bremerhaven

2006
“Wechselwirkungen - Korrespondenzen”, Kunstkreis Die Wassermühle Lohne e.V., Lohne

2005
“Die Sinnlichkeit der Widersprüche oder der Rückblick nach vorn”, Ofen- und Keramikmuseum, Velten
6. Niedersächsische Grafiktriennale, Schloss Bevern

2003
“Jubiläumsausstellung”, Frans Masereel Centrum, Kasterlee, Belgien

2001
“Begegnung mit Folgen”, Künstlerhaus Hooksiel 2002
“stadtgedächtnis”, Künstlerhof Buch, Akademie der Künste Berlin

1999 - 2003
“Bopp‘s business collection”, Bremerhaven, Berlin, Rostock, MS Helgoland, Worpswede, Münster, Leipzig
“Die keramische Skulptur im Freien”, Westerwaldmuseum

1996
Internationale Keramikbiennale Mechelen/Belgien

1995
“Lucas-Cranach-Preis für Druckgrafik”, Kronach

1993
“Aktuelles Stade - Kunstpreis”, Stade

1992
“Kunstregion”, Kunsthalle Bremerhaven

1990
“Klasse Biederbick”, HdK Berlin Kunstpreis für Bildhauerei”, Palais Rastede

1989
Galerie Taube, Berlin, Einzelausstellung

1987
“Wirklichkeit und Bildhauererzeichnung”, Galerie Rähnitzgasse, Dresden

 

Stipendien

2007
Stipendium im Paul-Ernst-Wilke Atelier

2003
Christian Armenia 1700, intern. Bildhauersymposium in Yerevan, Armenien

2001
Stipendium im Künstlerhaus Hooksiel

2000
Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen
Gaststipendium auf dem Barkenhoff, Worpswede

1999
Arbeitsstipendium Frans Masereel Centrum für Druckgrafik, Belgien

1998
Arbeitsstipendium Frans Masereel Centrum für Druckgrafik, Belgien

1991
Kunst am Baum, Bremerhaven

 

Bibliografie

Britta Peterson, Tulpan und Pernilla, 2007
Carola Hilmes in punkt. Kunst im Nordwesten, Heft 76/2006
Matthias Reichelt in Leben, Wohnen, Arbeiten, Kunstforum Bd. 165
Manfred Schneckenburger, Susanne Kaufmann, Peter Lang in Bopps business collection, GEHAG Forum, Berlin 2003
Manfred Schneckenburger in Wewerka Pavillon 2001
Annette Hulek, Die Sinnlichkeit der Widersprüche, in punkt. Kunst im Nordwesten, Heft 54/2001
Hans-Joachim Manske in Bei Bopp, Städt. Galerie auf Zeit, Bremerhaven 1999
Nora Schwabe in Skulpturen und Collagen, Galerie Passage Berlin 1995
Jürgen Milchert in Kunst verändert Landschaft, Der Gartenbau 1/95
Jürgen Milchert in Variationen meiner Landschaft II, Galerie 149, Bremerhaven
Ingrid Wagner-Kantuser in Blickwandel, Kommunale Galerie Berlin Wilmersdorf
Karlheinz Biederbick in Klasse Biederbick, Berlin, Hdk 1990
Brigitte Martin in Skulpturen und Holzstiche, Galerie Taube, Berlin 1989


Termine

Ausstellungstermine und Adressen

 aktuell 

2017

19. Mai - 10. Juli 2017
Galerie ROOT
Hardenbergstr. 9, Vorderhaus 2. Stock links, 10623 Berlin

 

26. November bis 20. Dezember 2017

Galerie im Heimathaus Lindern

Kirchstr. 2, 49699 Lindern

Vernissage am Sonntag, dem 26. Nov. um 11:15 Uhr

Führung mit der Künstlerin am 3. Dez.                                                                             

 

2018

21. Januar 2018 bis 11. März 2018

Neuer Worpsweder Kunstverein
NWWK c/o Village Worpswede, Bergstraße 22, 27726 Worpswede

Geöffnet tgl. 10 - 18 Uhr

Ellen Mäder-Gutz / M. Emre Meydan

Rezensionen

Rezensionen: Ellen Mäder-Gutz in der Presse

 

Oldenburgische Volkszeitung vom 27.05.2011

 

punkt - Frühjahr 2011

 

 

Weserkurier vom 20.03.2010

 

 

punkt - Frühjahr 2010

 

Cuxhavener Nachrichten vom 20.06.2009

k640 cuxhavener nachrichten 20.06.09

 

 

punkt - Herbst 2007

 

 

Stader Tageblatt vom 08.10.2007

 

 

 

 

Nordsee-Zeitung vom 19. Dez 2006

Blühender Garten der Kunst

Ellen Mäder-Gutz zeigt ihre Ausstellung „Tulpan und Pernilla“ in der Bremerhavener Kunsthalle

Blüten, Blüten, Blüten. Die exotischen Sorten wachsen überall, hinter Glas, an den Wänden und auf dem Boden sowieso. Das üppige Gewächshaus versteckt sich mitten in der Innenstadt. Nur eines ist merkwürdig: Selbst die allerschönsten Pflanzen duften überhaupt nicht. Kein Wunder, die Blütenblätter sind aus Porzellan oder Steatit, die Stängel einiger Prachtexemplare gar aus Eisen. Verantwortlich für das Blumenmeer ist nicht Mutter Natur, sondern Ellen Mäder-Gutz, die die Bremerhavener Kunsthalle mit der Ausstellung „Tulpan & Pernilla“ in einen zauberhaften Garten verwandelt.

Die Künstlerin, die 14 Jahre in Elmlohe gelebt und schon damals die heimische Kunstflora bereichert hat, traut sich was. Blumenbilder sind so etwas wie der röhrende Hirsch unter den Stillleben, tausendfach kopiert für die Wand über dem Sofa. Doch Mäder-Gutz, die heute an der Hochschule Vechta lehrt, fertigt alles andere als Kitsch fürs traute Heim an. Es geht ihr nicht darum, ihre Begabung an realistisch gemalten Blumenarrangements zu zeigen, obwohl sie die durchaus hat wie die unzähligen Bleistiftzeichnungen im grafischen Kabinett beweisen. Sondern sie nutzt vorhandene Bilder, um sie neu zu erfinden. In der Serie „Zauberhafte Heimat“ (1998) feiert sie etwa die Schönheit der Rosen, in den Fotografien gewinnt sie den Pflanzen und Blüten durch extreme Nahsicht ungewohnte Perspektiven ab.

Auch die Druckgrafik ist ihr Experimentierfeld. „Als Künstlerin zu arbeiten heißt für mich, mit immer neuen Ideen zu leben, mich immer neu auszuprobieren“, verrät Mäder-Gutz. „Keine Arbeit ist wie die andere, jede ein Unikat.“ In den großformatigen Holzschnitten probiert sie unterschiedliche Farbgebungen aus, mal leuchtet die Blüte eher rost-, mal eher ockerfarben. Ellen Mäder-Gutz seziert die grundlegenden Formen der Lilien, Orchideen un Rosen. Dadurch, dass die Künstlerin das Motiv mehrfach druckt, lenkt sie den Blick auf die struktuellen Merkmale. Durch die Wiederholung betont sie das Wesentliche.

Egal ob Grafik oder Skulptur - alle Arbeiten sind realistisch geerdet. Sie verleugnen ihr Vorbild nicht, sind aber nie ein naturalistisches Abbild. „Vorsichtig nähert sie sich so der Synthese von Natur und Kultur und damit der Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, von einer natürlichen Gegebenheit der menschlichen Existenz zu sprechen.“ schreibt Britta Petersen im kleinen, aber feinen Katalog, der zur Ausstellung erschienen ist.

Eva Hundisburg, der großen Terrakotta-Figur auf der Brüstung, ist das sicher viel zu theoretisch. Sie steht fürpralle Körperlichkeit. Auch die vielen, vielen Blüten - egal ob als Holzschnitt, Zeichnung, Skulptur oder Fotografie- erinnern oft an weibliche Rundungen, sind, wie die Künstlerin sagt, „sichtbar gemachte schöne Form“. Dass so viel Schönheit nicht zwangsläufig im hübschen Dekor münden muß, beweist die Bremerhavener Schau, die bis zum 21. Januar zu sehen ist.

 

Nordsee-Zeitung, März 1999, Anne Stürzer

Auf der Suche nach Kunst zwischen Lust und Logik

Gemeinsames Projekt: Ellen Mäder-Gutz und Magdalena Drebber

„Bei Bopp“ nennen die Künstlerinnen Magdalena Drebber und Ellen Mäder-Gutz ihr neues gemeinsames Ausstellungsprojekt höchst salopp. Denn über den Schaufenstern des Raumes in der Bürgermeister-Smidt-Str. 129 prangt noch das würdige Firmenschild „Raumausstatter Bopp“. Das war bis vor kurzem eine Adresse für Kundinnen mit gehobenen Ansprüchen an Wohnkultur und Heimtextilien. Nun, seit der Laden fast geräumt ist, füllt er sich wieder, allerdings nicht mit Gattinnen, sondern mit Kunstfreunden. Denn auf der Ladentür verheißt eine weitere Inschrift: „Städtische Galerie auf Zeit der Stadt Bremerhaven“.

Zur Eröffnung war kein Stehplatz mehr frei. Die Sitzplätze, darunter ein lila Sessel, wagte niemand zu nutzen, denn wo man Kunst erwartet, gewinnen auch Sitzmöbel eine Aura der Unberührbarkeit.Wie vieles andere auch, war das Stühlchen jedoch ein Requisit des Ortes. Zwischen Tresen und Regalen mit Vorhangresten, Stoffmusterbüchern, Knopf-Schubladen, Gardinenstangen und buntem Klimbim dankte Kulturamtsleiterin Dr. Gisela Lehrke den Künstlerinnen für Idee und Gestaltung, der Sparda-Bank Bremerhaven für großzügiges Sponsoring und dem Kunstvereinsvorsitzenden Jürgen Wesseler für sein Mitwirken als Kurator. Die Künstlerinnen seien dem Satz gefolgt: „Ich suche nichts, ich finde etwas.“ Lehrke forderte das Publikum auf, sich gleichfalls dem Ambiente des Ortes auszusetzen und zu „finden“.

Da wird auf einmal alles, auch das banalste Relikt, auf seine möglichen Bedeutungen hin untersucht. Jalousien und rollos verlieren plötzlich die Eindimensionalität des Nutzens ebenso wie der Schrank mit den Schiebetüren. Verhüllung wird Offenbarung und umgekehrt. Der Schrank wird zum Schrein, angefüllt mit intimen Objekten zum Thema „Die Kraft der Zwei“ von Ellen Mäder-Gutz. Der Betrachter wird listig auf die Archaik des Altertums verwiesen. Beiläufig am Tresen lehnende gerahmte Fotos zeigen Beispiele aus dem bildhauerischen Werk der Künstlerin, das sich vor allem mit dem klassischen Menschenbild auseinandersetzt. Es büßt nichts an Bedeutung ein, wenn es sich ironisch-bescheiden zwischen Wohlstandutensilien verbirgt.

Dafür entwickeln die aus Ton geformten und in Engobe mattglasierten Busenpaare von Ellen Mäder-Gutz - aus ihrer Ausstellung „Begegnungen mit Folgen“ 1998 in Bremen - im hinteren Werkstattraum des Deko-Ladens eine unbefangene Selbstverständlichkeit. In additiver Reihung verkörpern die bunten Brüste eine stets gegenwärtige Weiblichkeit - seitab allen Handels mit den Versatzstücken repräsentativer Wohligkeit.

Mit diesen geht denn auch Magdalena Drebber - 1998 Stipendiatin im Fischereihafen-Atelier - entlarvend um. Kaltgrün lackierte Holzstühle präsentieren auf ihren Sitzen Polsterstoffe - unter Glas - und gebieten damit Distanz. Ein weißes Kleid, wie es kleine Mädchen zum Blumenstreuen tragen, ist am Rocksaummit riesigen Ösen zusammengenietet. „Sehnsucht nach Unschuld“ - ein unerfüllter Traum. Daneben hängende metallringe geben der Szene etwas Martialisches. Auch der Kleiderständer mit akkurat durchlöchertem Herrenhut verweist auf einen Zusammenhang zwischen Seriosität und Folter. Da mögen nur die Plastikhäschen ohne Unterleib aus ihrer Ökotüte lachen: „Schweigen als Applaus“. Bei diesen und allen weiteren Arbeiten von Magdalena Drebber leisten auch die Titel ihren Beitrag zur dadaistischen Absurdität.

Ganze Satire-Szenarien mögen da im Betrachter ablaufen, je nach Lesart der Objekte und eigener Entdeckerfreude. Lust und Logik kommen ganz und gar zu ihrem recht. Nur wirklich professionelle Kunst kann es leisten, derart unterhaltend zu sein: In Nachbarschaft zum Banalen nimmt sie den Dialog mit ihm auf, befragt es nach seiner Repräsentanz, entlarvt es in seiner Komik und wird doch selbst nicht trivial dabei.