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Hanna Schygulla Hanna Schygulla

Chanson

Aus meinem Leben
(eine musikalische  Biographie)

Sobald wir eine Bühne betreten, wird aus dem Leben…Theater
Doch aufgeführt wird diesmal nicht etwas Ausgedachtes,sondern Selbsterlebtes und ich trete auf als Darstellerin meiner eigenen Biographie, eine Rolle, die mir unter allen möglichen Rollen meiner Laufbahn als die Wichtigste erscheint.

Es ist wohl wahr,dass ich einen grossen Teil meines Lebens sozusagen von Berufs wegen im Reich der Fiktion verbracht habe. Dennoch kann ich nicht umhin, immer wieder aufs Neue zu entdecken, dass die Romane, die das Leben schreibt, ebenso phantastisch sind wie die Werke der Phantasie. Deshalb kommt es auch gar nicht selten vor, dass mir ein Dokumentarfilm lieber ist als ein Kunstfilm und dass es mich mehr interessiert zu hören, was jemandem wirklich zugestossen ist, als das, was er sich ausgedacht oder angelesen hat oder seine Ansichten über dieses und jenes.

Gibt es ausser Düften und Aromas etwas, das die Erinnerung stärker bindet und wiederaufleben lässt als gewisse Rythmen und Melodien?
Immer schon haben Musiken in meinem Leben eine grosse Rolle gespielt. Sie haben mich durch gewisse Perioden dieses Lebens begleitet und kreisen auch heute noch in mir wie das Echo von Zeiten, die ich hinter mir habe oder Verheissungen von etwas, das da noch kommen mag!

«Es schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort
Und die Welt fängt an zu singen,
kennst du nur das Zauberwort.»
(Josef von Eichendorff)

Hanna Schygulla
Paris, 26.12.2005


Theater

Marieluise
von Kerstin Specht

Vom Star des jungen deutschen Films zum deutschen Weltstar entwickelte sich Hanna Schygulla, die Muse von Rainer Werner Fassbinder. Nach ihrem Chansonprogramm "Aus meinem Leben", erleben wir sie nun wieder mit einem Theaterstück, dem spannenden Monolog von Kerstin Specht, den die Autorin anlässlich des 100. Geburtstages am 23. November 2001 zu Ehren der Schriftstellerin Marieluise Fleißer verfasste: Marieluise. Mit ihrer bildreichen und poetischen Sprache zeigt Kerstin Specht ein Künstlerleben, das über die scharfe Beobachtung kleinbürgerlicher Enge und politischer Unruhen, nach vielen inneren Kämpfen und Niederlagen, über sich selbst hinauswächst. Ein humorvoller und berührender Lebensrückblick.

Eine junge Frau aus der Provinz bricht in jungen Jahren auf in die Großstadt. Sie sucht Anschluss an die literarische Avantgarde, lernt Feuchtwanger und Brecht kennen und lieben. Zwei Weltkriege und die genaue Beobachtung des Kleinstadtlebens schärfen ihre literarische Kraft. Zwischen 1925 und 1934 hatte Marieluise Fleißer sich in der literarischen Szene etabliert. Ihre Meinung zu literarischen Fragen und zu Beziehungsproblemen der Geschlechter galt etwas, wie ihre häufige Teilnahme an den beliebten Feuilleton Umfragen in der Weimarer Republik belegen. Während des Nationalsozialismus verschwindet sie für viele Jahre aus der literarischen Szene. Erst in den Sechzigern wird sie von Fassbinder, Sperr und Kroetz "wiederentdeckt". Ihre Stücke Fegefeuer in Ingolstadt, Pioniere in Ingolstadt und Der starke Stamm werden an fast allen Schauspielhäusern im deutschsprachigen Raum aufgeführt.

Neben zahlreichen Preisen und Stipendien erhielt Kerstin Specht 1993 den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis und 2005 den Marieluise-Fleißer-Preis.